20 - 05 - 2019

Bonn: Stiftskirche

 

Es existierten mehrere Vorgängerbauten, die vermutlich bis in das 6. Jh. zurückdatiert werden können. Kirche und Siedlung trugen den Namen Dietkirche, deren Überreste 1971/1972 bei Grabungen entdeckt wurden. Zu dieser Kirche ein Benediktinerrinnenkonvent, das ab 1015 nachweisbar ist. Daraus entwickelte sich im 15. Jh. ein Damenstift, das Stift Dietkirchen, das bis zur Aufhebung 1802 bestand. Zu Beginn des 14. Jh. wurde die Kirche durch einen Neubau ersetzt, der im ausgehenden 17. Jh. zerstört wurde. Zuvor waren die Stiftdamen wegen einer Pestepidemie aus der Stadt geflüchtet, ließen sich nach ihrer Rückkehr 1680 in der heutigen Stiftsgasse nahe der Kapelle St. Paul nieder. Dort ließen sie die baufällige Kapelle abreißen und errichteten am heutigen Standort 1729/1730 ein neues Gotteshaus als Pfarr- und Stiftskirche.

Gegen Ende des 19. Jh. war zunächst eine Erweiterung des Gebäudes geplant. Aufgrund des schlechten Zustandes des Gemäuers entschied man sich jedoch für einen vollständigen Neubau, der von 1879 bis 1986 unter dem Baumeister Heinrich Wiethase erfolgte. In der letzten Phase des Zweiten Weltkrieges wurde die Stiftskirche am 18. Oktober 1944 bei einem schweren Bombenangriff auf Bonn schwer beschädigt. Im folgenden Januar wurden weitere Teile der Kirche bei einem nochmaligen Bombardement zerstört. Die Arbeiten des Wiederaufbaus dauerten bis 1964 an, kleiner Schäden wurden sogar noch bis 1973 beseitigt.

Als wertvollstes Inventar gilt die sogenannte Dietkirchen-Madonna von 1320, einer Madonnenfigur aus Nussbaum- und Eichenholz aus einer Kölner Werkstatt. Weiterhin wird heute noch das Taufbecken aus der ehemaligen Dietkirche genutzt, das in das Jahr 1290 datiert werden kann.


 Bonn: Münster St. Martin

 

Das Bonner Münster hat seit jeher eine besondere Bedeutung für die Stadt, es wurde sogar im 13. Jahrhundert in das Stadtsiegel aufgenommen. Die Geschichte der ersten sakralen Großanlage im Rheinland ist zunächst eng mit der Römerzeit verbunden. Forschungen haben ergeben, dass bereits im 2. Jh. an der Stelle der Basilika eine römische Kultstätte bestand. Rund 400 Jahre später wurde diese durch einen merowingischen Saalbau ersetzt, in dem schon bald die ersten christlichen Bestattungen vorgenommen wurden. Das Gebäude war ständigen Um- und Anbauten unterworfen. Schon damals wurde es als die letzte Ruhestätte der beiden Märtyrer und Bonner Stadtpatrone Cassius und Florentinus verehrt.

So war es kein Wunder, dass im 8. Jh. an der Stelle eine nach ihnen benannte Stiftskirche gebaut wurde, die schon um 1050 einem Neubau weichen musste. In der heutigen Basilika ist aus dieser romanischen Epoche noch die Gruft, Teile der Ostkrypta, des Hochchores und des Westbaues erhalten. Im Lauf der Zeit wurde die Kirche grundlegend verändert. So wurde im 13. Jh. ein neues gotisches Langhaus harmonisch mit den romanischen Elementen verschmolzen. Die zumeist barocke Innenausstattung dagegen stammt aus dem 19. und 20. Jh. Nach der umfangreichen Beseitigung der Kriegsschäden und damit verbundenen Renovierungsarbeiten wurde das Gotteshaus 1956 von Papst Pius XII. zur Basilika minor erhoben.