17 - 12 - 2017

Walk for ME - eine Benefizpilgerwanderung auf dem Linksrheinischen Jakobsweg

Im Zeitraum vom 12. - 30. Mai 2015 fand auf "unserem" Linksrheinischen Jakobsweg eine Benefiz-Pilgerwanderung der Lost Voices Stiftung aus Hannover von Köln nach Mainz statt. Ziel der Tour sollte sein, die relativ unbekannte und unheilbare neuroimmunologische Erkrankung Myalgische Enzephalomyelitis (ME) / ChronicFatigue Syndrom (CFS) in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen und für deren Erforschung Spenden zu sammeln. Um auch weniger Geübten die Möglichkeit zur Teilnahme zu geben, wurde die Strecke in 19 Etappen aufgeteilt. Dabei wurde ein Betroffenenbuch, in dem Erkrankte über ihren Alltag berichten,  von den täglich wechselnden Pilgern übergeben und wie eine Olympische Flamme etappenweise bis nach Mainz zur Abschlussveranstaltung gebracht.

Das Kompetenzteam Linksrheinischer Jakobsweg hat dabei die Vorbereitungen bezüglich der Etappenplanung unterstützt. Aufgrund von eigenen Pilgerwegen in Spanen hatte nur Wolfgang Scholz die Möglichkeit, eine Etappe zu gehen, und zwar von Brohl-Lützing bis nach Andernach. Zudem war er bei der Übergabe des Buches von Heinz Bengart aus Weiler an die Initiatorin der Benefiz-Pilgerwanderung, Jessica Häbel,  in St. Goar anwesend. Heinz Bengart hatte für die Übernahme des Buches aus den Händen von Lucean Reinhardt (Rhens) in Boppard einen Gesprächstermin zum Thema mit dem Bürgermeister Dr. Walter Bersch ausgemacht, der schließlich eine ganze Stunde dauerte. Auch einige Angehörige aus dem Pilgerforum der Citykirche in Koblenz haben sich für die gute Sache zur Verfügung gestellt. So übernahmen Mary und Horst Schneider (Rhens) die Etappe von Koblenz in ihre Heimatstadt.

Nachfolgend berichtet stellvertretend für alle Pilgerinnen und Pilger Hildegard Becker-Janson, Vizepräsidentin der St. Jakobusgesellschaft Rheinland-Pfalz-Saarland, über ihre Erlebnisse auf der Etappe vom Gerhardshof nach Bingen.

„Mein „Pilgertag, Di. 26.05.15“ beginnt schon, wie sicher bei all‘ den anderen auch, einen Tag vorher. Grund: Übergabe des Buches und der weiteren Utensilien, wie bei einem Staffellauf. Finde ich richtig gut! So kann ich mich einstimmen auf diesen „Berg“, vor dem ich Heidenrespekt habe.

Um den Rückshuttle am Folgetag erholsamer zu organisieren, stelle ich mein Auto am Gerhardshof „Haus Waldfrieden“, ab, das mir freundlicherweise der Besitzer erlaubt. Eine herrlich ruhige Idylle, einsam, mitten im Wald!

Jetzt geht’s los: „Sattle“ den gepackten Rucksack - könnte auch 1 Woche unterwegs sein, mit dem vielen Gepäck ;-)). Trotz Regenwarnung, blauer Himmel durchzogen mit Schäfchenwolken. Die Blätter des Laubwaldes winken mir zu und die singenden Vögel begleiten mich den Berg hinab nach Trechtingshausen. Schneller als erwartet komme ich im Ort an.

Statt, wie von mir geplant mit der Bahn zu fahren, werde ich abgeholt. Und wieder erlebe ich dieses Pilgergefühl der Hilfsbereitschaft: Jessica, für mich noch unbekannt, fährt mich nach Bacharach. Unterwegs berichtet sie emotional von der Krankheit, von der sie selbst betroffen ist. Sie schaffte es, fast gesund zu werden! Unglaublich, welche Leidenswege die Menschen mit diesem Symptom aushalten bzw. dagegen ankämpfen müssen, wird mir erst jetzt bekannt! - Angekommen verabschieden wir uns lächelnd wie 2 gute Bekannte und freuen uns auf das Wiedersehen am Samstag in Mainz!

Nach der erholsamen Übernachtung in Bacharach treffe ich meine Mitpilger Gabriele und Jürgen um 9 Uhr an der imposanten Kirche St. Peter. Und schon beginnt die Herausforderung: Wir steigen etliche Treppenstufen hoch, puuhhh, um oben an der Burg Stahleck angekommen, den herrlichen Blick über das Rheintal und den Ort Bacharach zu genießen. Ein kulturelles Schmuckstück bewundern wir.

Gestärkt durch einen kurzen Moment der Besinnung pilgern wir Richtung Gerhardshof. Vor uns liegt eine Etappe, lt. Pilgerführer, mit einem herausfordernden Höhenprofil und kniffligen Passagen! Zunächst geht’s durch ein Waldgebiet. Der Waldboden ist schön weich. Das satte unterschiedliche Grün und die blühenden, artenreichen Wiesen sind angenehm für Augen und Seele. Es duftet herrlich und die jubilierenden Vögel umrahmen den Tag „musikalisch“. Wegweisend sind die blauen Aufkleber mit der Jakobusmuschel, die uns in die korrekte Richtung führen.

Der Pilgerweg schlängelt sich immer wieder bergauf und bergab. Durch oder vorbei an kleinen Gemeinden. Einfamilienhäuser und Villen säumen den Weg. Kein Wunder, der Blick über den Rhein, hinab in das Rheintal und auf die Weinberge, ist grandios. In dieser Idylle entdecken wir ein kunstvoll arrangiertes „Bett-Werk-Gestell“.

Unterwegs gönnen wir uns auch Pausen, denn Bänke und Tische laden zum Verweilen ein. - Natur pur, Frühlingsluft und -düfte. Eine Wonne sind auch für uns immer wieder neu die herrlichen Aussichten aus der Höhe über Dörfer, Wälder und Weinberge. Beeindruckt beobachten wir Winzer bei ihrer knochenharten Handarbeit an den steilen Weinbergshängen. 

     
Lucean Reinhardt (links), Mary Schneider (2. v.l.), Horst Schneider (rechts)    Heinz Bengart, Lucean Reinhardt, Dr. Walter Bersch (v.l.)   Jessica Häbel (Mitte), Heinz Bengart (rechts)   Hildegard Becker-Janson (Mitte)

Die letzte Etappe geht über schmale Pfade steil bergauf, hinauf zum Sieben-Türme-Blick, vorbei an moderndem Unterholz, bemoosten Steinen und Farnen, sogar „Steinmännchen“ wurden aufgebaut. Nach dieser recht heiklen Passage sind wir erleichtert und freuen uns riesig: Geschafft! Belohnt werden wir durch einen grandiosen Rundum-Blick - fast atemberaubend - bei diesem sonnigen und klaren Wanderwetter. Nicht zu warm, etwas windig aber dennoch reichlich Sonne. Der Weg, der letzten km, führt jetzt sehr erholsam gemächlich durch das Waldgebiet bis wir um 17 Uhr am Gerhardshof glücklich und zufrieden ankommen. Auch hier funktionierte die Übergabe des Buches bestens.

Ein großes Lob der ausgezeichneten Organisation des Benefizpilgerns und unseren Mitgliedern zur hervorragenden Markierung des Linksrheinischen Jakobsweges! Dieser Weg war für mich eine echte Herausforderung, aber schön. Viele Parallelen zwischen dem Pilgerweg und dem Lebens- und Leidensweg der Betroffenen, immer wieder Höhen und Tiefen zu schaffen sind mir bewusst geworden.

Gerne pilgerten wir für Euer Anliegen und Eure Stiftung! Den Mut, trotz Rückschläge nicht aufzugeben, immer wieder Kraft und Lebensfreude zu finden, das wünschen meine beiden Mitpilger und ich, allen Betroffenen: Buen Camino!“

Mehr über die Aktion findet man HIER auf der Website der Lost Voices Stiftung.